
... das Theater, dem keine Tragödie gelingt

(...) die Komplexität der musikalischen Strukturen ist beachtlich, die Intensität und Genauigkeit des Zusammenspiels schwindelerregend virtuos."
..........................................inszeniert für Tage Alter Musik Krieglach/Alte Oper Frankfurt..........................................
Figurierte Episoden aus dem Leben des Ritters und Poeten, authentische Einblicke in sein dichterisches Schaffen, Zitate aus Gerhard Hauptmanns Komödie "Ulrich von Liechtenstein" und weitere fiktive Szenen begegnen außergewöhnlichen Interpretationen Alter Musik, verbinden sich zu einer lebendigen, szenisch-konzertanten Lesung. Ulrich von Liechtenstein, Politiker von Rang, Minnesänger und Ritter.
Als Symbol seines Kampfes für die Hohe Minne und die ritterlichen Tugenden gelten zwei ungewöhnliche Turnierfahrten: 1227 zieht er in Verkleidung von "Frau Venus" und um 1240 als Sagenkönig Artus durch die gesamte Steiermark bis nach Italien. Seine Dichtung über diese Fahrten hat die drei Schauspieler des "Theater Narrattak" und vier Solisten des international bekannten Ensembles für Alte Musik "Oni Wytars" unter der Leitung von Marco Ambrosini zu packenden und skurrilen Szenarien über das Mittelalter angeregt.
Schauspiel und Musik stehen sich in einer spannenden Korrelation gegenüber, was die teilweise avantgardistische Art der Inszenierung unterstreicht und neue Ausdrucksebenen betreten läßt.
Das Ensemble Oni Wytars läßt herzzerreißende Melodien der Minnesänger sowie prickelnde Instrumentalmusik des italienischen Trecento und anderer Länder, die Ulrich von Liechtenstein als "Frau Venus" und König Artus durchquerte, lebendig werden. Sie begleiten die szenische Handlung symbiotisch oder in Form konzertanter Intermezzi.
Die Auswahl und die ausgefallene Interpretation der Stücke entstand in der Konfrontation mit der außergewöhnlichen Spieltechnik des Theater Narrattak und wird ebenso unterstützend wie bewußt kontrastierend eingesetzt.
Musiziert wird auf Nachbauten alter Instrumente, wobei auf eine historisch korrekte, und dennoch primär direkte und volksnahe Aufführungspraxis besonderer Wert gelegt wird.
Ausgangspunkt und "roter Faden" dieser Inszenierung ist der selbstbiographische Versroman "Frauendienst" von Ulrich von Liechtenstein aus dem Jahre 1255, eine groteske Beschreibung seines angeblich realen Minnedienstes, in den er zahlreiche eigene Minne- und Tanzlieder einfließen ließ.
Umgesetzt in poetische Augenblicke und skurril-komische Szenen, bewegt und ausdrucksstark, respektvoll und authentisch, mit Virtuosität und Witz erschaffen die Künstler ein buntes und unterhaltsames Bild der schillernden Figur "Ulrich von Liechtenstein" und seiner Zeit.